Googles Doodles: Würdigung oder Vereinnahmung?

Ehrung oder Vereinnahmung?

Ehrung oder Vereinnahmung? Gabriele Münters Bild „Jawlensky und Werefkin“ (1909) als Werbeträger.

Wenn es um das geschickte Platzieren des Logos geht, hat Google definitiv die Nase vor anderen Unternehmen. Während die meisten sich noch immer an das von ihren „Kreativ“-Agenturen gemachte Gesetz halten, dass man das Logo eines Unternehmens auf keinen Fall hinsichtlich Form und Farbe antasten darf, jongliert Google seit 1998 im sogenannten „Doodle“ lustig mit seinem Markenzeichen herum. Oft macht Google mit dem Doodle auf den Geburts- oder Todestag einer bekannten Persönlichkeit aufmerksam, manchmal werden aber auch die Jahrestage besonderer Erfindungen zelebriert (z.B. die Entdeckung der DNA oder der Röntgenstrahlen) oder ein nationaler (z.B. der Dia de los Muertos oder der Fall der Berliner Mauer) oder internationaler Feiertag hervorgehoben. Im August 2002 hat das Doodle erstmals die ursprüngliche Form des Logos radikal verändert und zugleich zum ersten Mal einen Künstler geehrt: Andy Warhol. Von da an wurde dieser Ansatz des Doodles allmählich ausgebaut und die kindlich-kitschige Spielerei mit der Wortmarke mit den bunten runden Buchstaben wurde immer öfter verlassen. In jüngster Zeit macht erfreulicherweise das Doodle häufiger auf die Ehrentage weiblicher Persönlichkeiten aufmerksam. Die Kreativität der Doodles, das gebe ich gerne zu, hat mich schon oft fasziniert und mir das Grinsen des Tages beschert. Gelegentlich verstecken sich animierte Spiele in den meist auf den ersten Blick sehr simpel erscheinenden Grafiken (s. Earth Day 2013). Oft werden die Doodles zu den Feiertagen berühmter Menschen mit ihrem Wikipedia-Eintrag verknüpft, aber 2010 hat Google zum 70. Geburtstag John Lennons eigens ein Video produziert und mit dem Lennon-Doodle verlinkt.

Zentrales Thema der Doodles ist aber dennoch immer das Firmenlogo selber. Selten tritt das Logo visuell so sehr in den Hintergrund wie in der Grafik zu Jackson Pollocks Geburtstag oder wie gar im Doodle für Li Shizhen. Heute würdigt Google den 137. Geburtstag von Gabriele Münter und demonstriert mit seinem Doodle dazu die inzwischen erreichte Meisterschaft seiner Marken-Platzierung. Typisch ist für die Google-Grafiken die Integration der Wortmarke in das jeweilige Thema. In diesem Fall haben sie das Logo allerdings wenig subtil in Münters Bild „Jawlensky und Werefkin“ von 1909 eingebaut. Stilistisch übernommen wurden die damals für Münter typischen schwarzen Konturlinien und der Eindruck eines flächigen Farbauftrags. Bei aller Faszination für Googles Doodles ist die Unverfrorenheit, mit der das Unternehmen kulturellen Werken aller Arten und Epochen seinen Stempel aufdrückt, erschreckend. Der chinesische Künstler Ai Weiwei hat einmal das Logo von Coca Cola auf Urnen aus der Han-Dynastie aufmalen lassen, um damit u.a. die Markendominanz und Kulturaneignung grosser multinationaler Konzerne zu kritisieren. Google hat auch ihn überholt, die Anmassung zum Kult erhoben und aus epochalen Kunstwerken Werbeträger gemacht, die sich für den profanen T-Shirt-Druck eignen.

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