So geht’s (auch): Eigenes E-Book veröffentlichen, Teil 1

Cover des E-Books

Cover des E-Books

Nachdem ich mich 2012 näher mit der Produktion und Veröffentlichung von E-Books beschäftigt habe, war 2013 mein zentrales Thema die Lizenzierung und kostenfreie Herausgabe von Bildungsmedien. Beides kann man bestens verbinden, und so habe ich mich zum Ende des Jahres 2013 entschlossen, die E-Book-Version eines Workshop-Skripts von mir unter Creative-Commons-Lizenz frei zu publizieren.

In diesem ersten Artikel beschreibe ich mein Vorgehen zur Erstellung meines E-Books „Videotechnik„, im zweiten Teil dann die Veröffentlichung.

Die Wahl des Editors

Zunächst eine Definition: Wenn ich von einem E-Book spreche, meine ich kein PDF, sondern ein Dateiformat, dass auf XML basiert und daher mit verschiedenen Geräten und mit unterschiedlichen Leseeinstellungen gut lesbar ist. Das gilt nicht für ein PDF, wohl aber und vor allem für den ePUB-Standard. Derzeit regiert ePUB in Version 2, die Nummer 3 ist in Entwicklung. Ein weiteres „echtes“ E-Book-Format ist Mobipocket, das vor allem noch von Amazon-Readern genutzt wird.

Es gibt einige Möglichkeiten, zu einem ePUB zu gelangen. Wer besonders faul ist und ausserdem gerne mit Textbearbeitungsprogrammen komplexe Dokumente zusammensetzt, kann eine .doc- oder .docx-Datei direkt in Calibre importieren und von dort in das ePUB-Format konvertieren.

E-Book in Jutoh

E-Book in Jutoh

Deutlich anspruchsvoller, aber auch eleganter, ist die Erstellung mit einer spezialisierten Software. Bekannt hierfür sind Sigil und Jutoh. Obwohl Sigil kostenlos ist, bevorzuge ich Jutoh, denn es bietet mir deutlich mehr nützliche Funktionen, verpackt in eine gut zu handhabenden Oberfläche. Sigil läuft ausserdem nicht mehr auf meinem alten Macbook, da es nach einer höheren Betriebsversion verlangt, als mein Mac ertragen kann. Sigil hat jedoch Jutoh gegenüber einen Vorteil, jedenfalls für Nerds: Im Sigil kann zwischen der WYSIWYG- und der Code-Ansicht der Seiten zu wechseln, in Jutoh gibt aus ausschliesslich die WYSIWYG-Ansicht.

Eine weitere, ganz andere Herangehensweise stellt Matthias Andrasch im PB21-Blog dar: Dort wird erst ein ODT-Dokument erstellt, dieses online konvertiert und dann mit Sigil weiterverarbeitet.

Textimport oder Direkteingabe

Auch in Jutoh kann man einige gängige Dateiformate, u.a. TXT, ODT oder DOCX, importieren und hat damit schon einmal einen Grundstock für das E-Book. Aber es ist natürlich auch möglich, gleich in Jutoh loszuschreiben. Wer will, kann für jedes Kapitel einen eigenständigen Abschnitt anlegen (wie links im Screenshot zu sehen). Bilder werden automatisch importiert, wenn sie bereits im importierten Textdokument eingebunden waren. In ePUB 3 sollen dereinst auch bewegte und Audiomedien wiedergegeben werden können, für das aktuelle ePUB 2 muss man sich noch auf Fotos und Grafiken beschränken, Jutoh ist aber bereits auf ePUB 3 vorbereitet und ermöglicht schon jetzt den Import audiovisueller Medien. Ausserdem bekommt man von Jutoh eine nützliche Unterstützung bei der Gestaltung des Covers. Weitere Wizards helfen beim Anlegen des Inhaltsverzeichnisses, eines Glossars oder auch eines Stichwortregisters. Selbst Schriften können importiert und in der E-Book-Generierung berücksichtigt werden, allerdings sollte man nicht vergessen, dass E-Reader recht autonom von solchen Formatvorgaben einen Text darstellen.

Export und Kontrolle

Hat man alles soweit, wie es sein soll (das Impressum nicht vergessen und die Metadaten des Dokuments einpflegen!), geht es an das Generieren der E-Book-Dateien. Jutoh bietet dafür eine Vielzahl an Einstellungen, mit den Voreinstellungen „ab Werk“ kommt man aber bereits zu sehr guten Ergebnissen. Es ist möglich, einzelne Endformate auszuwählen, oder direkt einen ganzen Satz verschiedener erstellen zu lassen, zur Verfügung stehen Epub, Mobipocket, ODT, txt, HTB, MP3 und HTML. Warum der Export als ODT nützlich sein kann, zeige ich in Teil 2, in dem es um das Veröffentlichen des E-Books geht. Es bietet sich an, vor dem E-Book-Export noch ein „Document-Cleanup“ laufen zu lassen. Hierbei bereinigt Jutoh den XML-Code, abhängig von den Vorgaben, die man dafür macht. Nach dem Export als ePUB sollte man die Software schliesslich noch den Fehlercheck durchführen lassen. Gerade wenn man Text importiert hat, werden sich darin Formatierungen befinden, die nicht ePUB-kompatibel sind und daher auf E-Readern Schwierigkeiten machen. Manche solcher Fehler kann man direkt durch Entfernen der Formatierung im Text bereinigen, für andere muss man dann doch ins XML hinein.

Für die ganz Gewissenhaften (oder die sehr Neugierigen) gibt es zum Prüfen der Qualität des ePUB ausserdem online den offiziellen ePUB-Validator. Andere Formate, wie z.B. Mobipocket, basieren auf dem Export des ePub. Ist also das ePub fehlerfrei, wird auch das Mobi korrekt sein.

Mein E-Book „Videotechnik“ können Sie kostenlos bei Smashwords herunterladen. Warum das E-Book ausgerechnet dort zu finden ist, beschreibe ich in „Eigenes E-Book veröffentlichen, Teil 2„.

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Kommentare (2) Schreibe einen Kommentar

  1. Bitte für erweiterte Funktionen auf der JUTOH Site mal JUTOH Plus nachlesen. Ist teurer, aber besser. Das beste am Ganzen ist allerdings das ausführliche Handbuch und im Bedarfsfalle der gute, schnelle und sehr hilfreiche Mail Kontakt zu Dr. Julian Smart, dem Programmierer. MfG HP

  2. Richtig, die Jutoh-Plus-Version enthält zusätzliche Funktionen. Ich habe sie aber hier nicht erwähnt, da meine Beschreibung vor allem für Autoren geeignet sein soll, die ab und an mal ein Buch online publizieren wollen. Jutoh Plus ist hingegen vor allem für Verlage gedacht („[…] Jutoh Plus is aimed particularly at publishers who edit a large number of books.“)

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