Verlage auf der digitalen Buch-Welle

By openclipart.org/bocian

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Schulbuchverlage sind zwar noch zurückhaltend mit E-Books, aber durchaus auf der Suche nach neuen Konzepten, um auf der digitalen Welle mitzureiten und daran zu verdienen. Aktuell geben Verlage vor allem bereits bestehendes Lehr-Lern-Material zusätzlich als digitale Schulbücher heraus und versuchen mit Service und Printausgaben zu verdienen. Ein Beispiel ist der französische Verlag livrescolaire.fr (via Artikel der Schulbuch-Gesellschaft), der 16 Schulbücher online kostenlos zur Verfügung stellt – als webbasierte Einheiten wohlgemerkt, nicht als E-Books zum Herunterladen. Für die Lehrpersonen gibt es ergänzende, kostenpflichtige Materialien.

Einer der ganz Grossen im Schulbuchgeschäft, Cornelsen, versucht es mit zeitlich beschränkten Nutzungsrechten. Statt des E-Books erwirbt man, wie ja leider auch bei anderen kommerziellen E-Books bisher üblich, nur die Nutzungsrechte. Cornelsen bietet 1-Jahres-Lizenzen an. Hat man bereits das Printexemplar, ist das Nutzungsrecht des E-Books zwar im Printpreis enthalten, aber ebenfalls zeitlich beschränkt. Da denke ich ja schon fast wehmütig an das Kopieren ganzer, aus der Bibliothek geliehener Lehrbücher – diese Kopie stand mir so lange zur Verfügung, wie ich sie haben wollte. Nein, ich will nicht zurück zu solcher Energie- und Papierverschleuderung, aber die begrenzte Nutzungsdauer für die elektronische Version eines Buches, dass ich bereits als Druckversion habe, halte ich für eine betrügerische Methode der Umsatzsteigerung. Es ist nämlich auch möglich, eine Nutzungslizenz für das E-Book zu kaufen, wenn man kein gedrucktes Exemplar erworben hat. Mit der zeitlichen Beschränkung solcher Lizenzen machen die Verlage ihre Kunden zur Cash-Cow.

Dieses Konzept ist allerdings nicht alleinig Cornelsens Idee, vielmehr haben sich etliche deutsche Schulbuchverlage zusammengeschlossen und bieten gemeinsam über die Plattform „Digitale Schulbücher“ elektronische Varianten ihrer Druckwerke an. Die Plattform ist von ihrer Grundfunktion her mit dem iTunes-Shop von Apple vergleichbar. Um die auf „Digitale Schulbücher“ erworbenen E-Books überhaupt nutzen zu können, muss die dazu entwickelte Software installiert werden. Mit diesem Konzept boykottieren die Schulbuchverlage den offenen Standard EPUB und ich wünsche ihnen, dass sie mit ihrer proprietären „Lösung“ eine kräftige Bauchlandung machen.

Apropos Bücher kopieren: Im Rahmen des EU-Projekts „E-Books on Demand“ (EoD) werden tatsächlich Bücher auf Bestellung kostenpflichtig von Bibliotheken gescannt und elektronisch zugestellt. Gezahlt werden kann u.a. mit Kreditkarte. Die sogenannten E-Books sind allerdings keine, vielmehr werden die Scans als PDF erfasst, wahlweise mit OCR oder ohne. Das gewünschte Buch muss gemeinfrei sein und die Preise sind zwar nicht gerade gering, aber lt. Projektinformationen lediglich kostendeckend für den Aufwand der Bibliotheken.

Update 2013-11-14

Stolz verkündete diese Woche der Kopaed-Verlag: „kopaed goes ebooks!“ Klar, dass das meine Neugierde gereizt hat. Manche der kleineren Bände des Verlags, die ich im Regal habe, hätte ich schon auch als E-Book bezogen, wenn das zuvor möglich gewesen wäre. Also frisch auf, zur neuen Webshop-Seite. Tja, von da muss man dann nochmal einen Klick weiter, um schliesslich bei Ciando zu landen, ein E-Book-Dienstleister. Wenn ich „E-Book“ lese, denke ich „EPUB“, auch noch „mobi“ oder „avz“ und ähnliches, sicher aber nicht PDF. Aber nur letzteres scheint es zu geben. Das kann ich nicht glauben! Also frage ich beim Verlag nach. Zunächst kommt vom Verlag selber eine Antwort, die ehr deutlich macht, dass da jemand den Unterschied zwischen PDF und E-Book nicht kennt. Auf meine neuerliche Nachfrage erhalte ich dann Antwort von Ciando:

„Der Verlag liefert uns bisher alle Titel nur im PDF Format und so liefern wir diese Titel auch aus. Wie sie richtig bemerkt haben ist ePub das bessere Format für eBook Reader. Die schlechte Darstellung von PDF auf allen eBookreadern ist bekannt, liegt aber an den Herstellern dieser Geräte. Fachbücher gibt es bisher noch selten als ePub, weil die Umwandlung oft aufwendig und damit teuer ist.“

Oha! Dann warten wir also mal ab, bis E-Reader ein Format, dass von Adobe dominiert wird, besser darstellen, verursachen noch mehr Elektromüll, weil wir neue Reader kaufen müssen, und beteiligen uns an der Wiederholung der Geschichte: Nicht das bessere Produkt setzt sich durch (EPUB), sondern jenes, dass aggressiver vermarktet wird (PDF).

Und „teuer“, „nicht möglich“ etc.? Nicht richtig. Die meisten Bücher werden in InDesign gesetzt, von dort gibt es einen EPUB-Export. Wer sich damit nicht herumplagen will, kann einen Verlags-Dienstleister suchen, der die Erstellung von EPUB günstig und zuverlässig beherrscht, z.B. Tredition.

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Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, das ist der wunde Punkt: Die Verlag möchten gerne auf der E-Book-Welle reiten, aber sie sehen, dass man damit nicht annähernd so viel Geld verdienen kann, wie mit den althergebrachten Print-Ausgaben. Für die Verbraucher sind die kümmerlichen Versuche, PDFs als das Medium der Wahl zu verkaufen, nur weil das Material ja eh schon so vorliegt, absolut nicht zufriedenstellend.

    ABER: Solange immer wieder ein „neue Sau durchs Dorf getrieben wird“, fällt es den Verlagen halt auch schwer, verlässlich zu planen. UND: Da haben sie jahrzehntelang einen Stamm an ordentlichen Autoren aufgebaut, die durchaus wissen, wie man ein Buch schreibt – aber halt (leider, leider) überhaupt keine Ahnung haben, wie man ihr Fachwissen in ein elektronisches Medium übertragen kann.

    Das wird noch dauern, bis hier der Silberstreif zu sehen ist.

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