Offen, frei, gut – Open Educational Resources

CC: By/SA  von opensourceway/flickr.com

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Offene und frei erhältliche Bildungsressourcen (Open Educational Resources, OER) sind das grosse Thema dieses Jahres und ganz sicherlich auch der nächsten Jahre. (1) Zwar erwähnt der Horizon-Report OER weder im Bericht 2012 noch im Bericht 2103 2013, aber das zeigt nur, dass man da etwas übersehen hat. Nach Open Source, Open Access und Open Content ist die Öffnung von Bildungsressourcen eine logische Konsequenz. Deshalb gibt es hier nun einen ersten Überblick über aktuelle Projekte im OER-Zusammenhang.

Aber zuerst ein …

Flotter Ritt durch eine kurze Geschichte

Nicht zuletzt aus der desolaten finanziellen Situation US-amerikanischer Bildung heraus hat OER gerade in den USA einen gewissen Vorsprung im Vergleich zu Westeuropa. Auf der Suche nach alternativen Finanzierungskonzepten und mit Blick auf die neuen Geschäftsmodelle der Open-Source-Softwareschmieden entstand die Idee, Bildungsresourcen frei zugänglich zu machen – und mal zu schauen, was dann passiert. Einen wichtigen Meilenstein in dieser jungen Geschichte markiert das OpenCourseWare-Projekt des MIT, das 2001 lanciert wurde. (2) Als einen früheren Vorläufer kann man aber in gewisser Weise das Projekt Gutenberg betrachten, dass bereits im Jahr 1971 durch den kürzlich verstorbenen Michael Hart gestartet wurde (s. History). Ein ebenfalls grosses frühes Projekt, das wiederum durch das Projekt Gutenberg angeregt wurde, ist die Wikisource, ebenfalls eine Sammlung frei erhältlicher Texte. Der Unterschied zwischen diesen beiden Projekten (und weiteren ähnlichen) und dem OER-Ansatz des MIT ist aber nicht zu vernachlässigen: Mit OpenCourseWare startete erstmals ein Ansatz imRahmen formeller Bildung, wogegen Gutenberg und Wikisource nicht-formale Bildung ermöglichen.

Einen bedeutenden Schritt in Europa machte man mit der “Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Sciences and Humanities”, die auf Initiative der Max-Planck-Gesellschaft 2003 formuliert wurde. Diese wiederum war inspiriert von der Budapest Open Access Initiative, die vor allem forderte, dass aus öffentlichen Geldern gefördere Forschung frei und öffentlich zugänglich publiziert werden müsse. Darüber streitet man im übrigen bis heute in den Wissenschaften. Auf Basis  der oben genannten Berlin Declaration wird seit 2004 die Berlin Open Access Conference ausgerichtet (s. hierzu auch meine Präsentation zur Konferenz 2008). Die Konferenz wurde im Laufe der Zeit immer internationaler und fand nicht nur in Europäischen Ländern, sondern auch ausserhalb Europas statt, u.a. in China und in Südafrika. Klar lässt sich an dieser Entwicklung auch die Erkenntnis ablesen, dass gerade für den Wissenstransfer offene Bildungsressourcen wichtig sind.

Kurse und Workshops

Aktuell fanden und finden einige Veranstaltungen statt, die nicht nur den OER-Gedanken weitertragen sollen, sondern sich verstärkt der Praxis zuwenden. Hierzu gehört die bereits vorgestellte Open Education Week, die im März 2013 stattfand.

Im April startet der erste deutschsprachige offene Online-Kurs zum Thema, #COER13, in dem sich die Teilnehmenden auch der Zukunft des OER widmen mit Themen wie “Einsatzszenarien” und “Finanzierung”.

Und auch die Peer 2 Peer University (P2PU) widmet sich in einer “School of Open“, also ebenfalls einem offenen Online-Kurs, ausführlich dem Thema.

OER entwickeln

Wer offene Bildungsressourcen veröffentlichen will, muss sie logischerweise auch erstmal entwickeln. Dass dies recht unterschiedlich angegangen werden kann, ist selbstredend. So beschreitet die Werkstatt der Bundeszentrale für politische Bildung den Weg des Crowdsourcing (aber man könnte es natürlich auch einfach Kooperation nennen) und ruft Lehrerinnen und Lehrer auf, gemeinsam offene Lehr- und Lernmaterialien zu verschiedenen Themen zu entwickeln.

Ein besonders beachtenswertes Projekt in Deutschland ist der Schulbuch-O-Mat: Gestartet von 2 Lehrern, finanziert über eine Crowdfunding-Kampagne, ist nun eine Plattform am Start, auf der in Online-Kooperation offene und freie Lehr- und Lernmittel entstehen. Dieses Projekt könnte meiner Meinung nach ein wesentlicher Motor zumindest in Deutschland und ein Vorbild für ähnliche Initiativen werden.

Funny Monkey hingegen hat eine Anleitung zum Erstellen von Open Content zusammengestellt und jeder muss selber entscheiden, wie sinnvoll und nützlich diese wohl sein mag. http://funnymonkey.com/a-general-guide-for-creating-open-content

Rechtssicherheit mit Lizenzen schaffen

Die Veröffentlichung offener und frei zugänglicher Materialien ist aber nicht mit Rechtlosigkeit zu verwechseln. Im Gegenteil: Die Rechtssicherheit bei der Nutzung verfügbarer Quellen ist das Motiv, aus dem heraus verschiedene Organisationen und Institute Lizenzmodelle geschaffen haben. Tatsächlich gibt es eine Vielfalt recht verschiedener Lizenzen, teilweise auch nach der Art des Mediums differenziert (einen Überblick bietet z.B. ifrOSS). Nachfolgend ein paar der prominenteren:

Wissenschaftliche Auseinandersetzung

Neben der oben genannten Berlin-Konferenz zu Open Access gibt es auch im deutschsprachigen Raum eine immer stärkere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema der offenen Lern- und Lehrquellen. Das ist nicht nur für die Entwicklung tragfähiger Zukunftsszenarien, wie z.B. Finanzierungsmodelle, wichtig, sondern auch für die Qualitätssicherung der Materialien.

Der digitale Salon der Humboldt-Stiftung lädt am 27.3. im Rahmen der Reihe “Open Science” zur Diskussion ein und fragt: “Open Science. Moderne Kommunikationsmittel eröffnen neue Wege des Publizierens und Kooperierens. Verändert sich dadurch Wissenschaft? Wie sehen diese Wandlungsprozesse aus und was daran ist wirklich neu?”

Jenen, die sich aktiv und wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigen, sei auch der Call for papers zum nächsten Themenheft der Zeitschrift für Hochschulentwicklung empfohlen. “Wie”, so lautet die zentrale Fragestellung, “gestalten wir die Zukunft mit Open Access und Open Educational Resources?”

Mehr finden

Ausser den oben bereits genannten Organisationen und Initiativen gibt es inzwischen eine Vielzahl online zugänglicher Materialien. Abschliessend hier noch ein paar Organisationen, Initiativen und Materialquellen:

OER Commons

Creative Commons

Open Culture

Die Kennedybibliothek

Saylor-Projekt

Open Badges

PLOS

CultureGrid

Jorum

 

(1) Entschuldigt bitte schon an dieser Stelle, liebe Freunde und Freundinnen des MOOC-Trends, aber meiner Ansicht nach ist OER für die allgemeine wie spezielle Bildung wichtiger als MOOCs. Wobei ich nicht sagen will, MOOCs wären nicht nötig oder zumindest in bestimmten Szenarien sinnvoll. Aber die Wirkungsweise und Relavanz von OER erscheint mir deutlich höher zu sein.

(2) s. OER-History auf der Website von Creative Commons

 

Ein langer, langer Artikel, den ich ohne eine intensive Portion Kaffee nicht in der nötigen Rekordzeit zustande gebracht hätte. Vielen Dank an Verena für die Unterstüzung!

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Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für den Artikel mit auch mir noch manch unbekannten Informationen!

    Bereits der Horizon-Report 2010 nennt OER (versteckt hinter dem Label ‘Open Content’) mit dem Zeithorizont: ein Jahr oder weniger. Der Report hatte damals offensichtlich recht spontan auf die massive internationale Bewegung reagiert :-)

    Die Gewichtung OER vs. MOOCs empfinde ich ebenso.

    Auf dass noch viele Kaffees fließen mögen …

    Andreas

  2. Pingback: Medienbox » Blog Archive » Offen, frei, gut – Open Educational Resources

  3. Offen, frei und gut geschrieben :D
    Die OER-Konferenz 2013 von Wikimedia Deutschland am 14.-15. September 2013 in Berlin als aktuelle Ergänzung. wikimedia.de/wiki/OERde13 – Save the Date –

  4. Pingback: OER-Überblick | Fortbildung in Bibliotheken

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