Anatomie interaktiv

Foto von Anatomiemodellen für den Unterricht

Haptischer „interaktiver Körperbrowser“, auch bekannt als anatomisches Modell.

Während anatomische Modelle für den Unterricht in Gesundheitsberufen immer noch eine sehr anschauliche und haptische Lernaktivität bieten, können digitale Anatomiemodelle und Darstellungen aus bildgebenden Verfahren ergänzend eingesetzt werden. Lehrende können solche elektronischen Ressourcen zur Unterrichtsvorbereitung nutzen, Lernende und Studierende haben damit die Möglichkeit, Themen zu wiederholen oder zu vertiefen.

Ich habe im Folgenden eine kleine Liste solcher im Internet verfügbaren Quellen zusammengestellt und freue mich über Kommentare mit weiteren „sachdienlichen“ Hinweisen.

Wichtiger Hinweis: Die im folgenden genannten Quellen stellen zum grössten Teil ihre Inhalte nicht als offene Bildungsressourcen (OER) zur Verfügung. In der Regel ist es von den Autor_innen erlaubt oder sogar erwünscht, die Online-Materialien zum selbstgesteuerten Lernen bzw. Vertiefen des Gelernten zu nutzen. Jede andere Verwendung, insbesondere als Unterrichtsmaterial, ist in den meisten Fällen nicht oder mit Einschränkung möglich. Daher ist es unbedingt nötig, die jeweiligen Nutzungsbedingungen bzw. Copyright-Informationen zu lesen.

Kostenfreie Angebote, statisches Material

  • Zum Lernen frei nutzbar ist die Sammlung MorphoMed der Universität Bern. Die sehr vielfältigen Darstellungen aus unterschiedlichen bildgebenden medizinischen Verfahren sind in Anatomie, Histologie und Pathologie unterteilt. Ein Video, das auf der Startseite eingebunden ist, führt in die Funktionen von MorphoMed ein – sehenswert, denn manche Funktion erschliesst sich nicht ohne weiteres. Beeindruckend finde ich nicht nur die schiere Menge und hohe Qualität des visuellen Materials, sondern auch die didaktische Strukturierung. Eine Nutzung durch Dritte für ihren Unterricht ist allerdings wohl eher nicht vorgesehen, denn die Autor_innen haben an keiner Stelle Nutzungsbedingungen formuliert.
  • Den HistoWebAtlas zur Histologie stellt die Universität Düsseldorf zur Verfügung. Ausserdem gibt es auf der Anatomie-Website Vorlesungsskripte, thematische Diskussionforen und eine Linksammlung zur Anatomie.
  • Eine ebenfalls sehr umfangreiche Website ist der Anatomie-Workshop von Dr. H. Jastrow (Johannes Gutenberg Universität Mainz), der mit allen seinen Materialien für das selbstgesteuerte Lernen frei zur Verfügung steht. Zu den Materialien gehören u.a. ein Schnittbildatlas, ein Atlas mit elektronenmiskrokopischen Aufnahmen, Vokabularien und Lerntexte. Die Nutzung all dieser Materialien ist gegen Lizenzgebühren auch für den Unterrichtsgebrauch und die kommerzielle Nutzung möglich, exakte Angaben dazu findet man in den Nutzungsbedingungen. Ein Teil der elektronischen Bildmaterialien stammen aus dem Visual Human Project, dass ich im folgenden Absatz vorstelle.
  • Das Visual Human Project (VHP) der National Library of Medicine hat sich eine vollständige Darstellung des menschlichen Körpers und die elektronische Wiedergabe der erzeugten Medien zum Ziel gesetzt. Mittels eines Lizenzvertrages können Bildungseinrichtungen die kostenlose Nutzung des Materials mit der Bibliothek vereinbaren. Darüber hinaus gibt es auch die eher kostspielige Möglichkeit, das Material auf DVDs zu erhalten. Beispiele für die Qualität des digitalen Bildmaterials gibt es u.a. hier und hier.
    • Einige Hochschulen nutzen das Material des VHP für eigene Anwendungen (z.B. Uni Mainz im Anatomie-Workshop, s.o.). Dazu gehört auch die École polytechnique fédérale de Lausanne, die den Visible Human Server eingerichtet hat. Die Registrierung und Verwendung ist für jeden Interessierten möglich und kostenlos.

Kostenfreie Angebote, interaktives Material

Screenshot von Innerbody, hier die Lunge als Teil des Atmungssystems

  • Bereits seit 1997 gibt es die Website InnerBody. Die Nutzung ist kostenlos, der Betrieb und die Weiterentwicklung des Angebots wird über Werbeeinnahmen finanziert. InnerBody bietet im Gegensatz zu den vorab genutzten Angeboten die interaktive „Reise“ durch den menschlichen Körper. Die verschiedenen Ansichten des menschlichen Körpers orientieren sich an den medizinischen Systemen. Zu jedem System gibt es weitere Unterteilungen in deren Subsysteme, hierfür stehen jeweils eine Liste mit Fachbegriffen und eine 2D-Grafik mit anklickbaren hot spots zur Verfügung. Alle Bezeichnungen stehen als die lateinischen Fachbegriffe zur Vergügung, was diesen Anatomieatlas für Lernende, Studierende und Lehrende in den Gesundheitsberufen interessanter macht als der nachfolgend beschriebene ZygoteBody.
  • Am visuell spektulärsten ist sicherlich der interaktive Körperatlas ZygoteBody. Ehemals als BodyBrowser von Google entwickelt und vor allem als Testfall für den Einsatz der WebGL-Technologie gedacht, hat die Firma Zygote den interaktiven Körperatlas übernommen und weiterentwickelt. Wie bei InnerBody kann man hier die Systeme auswählen, allerdings über Grafiken statt über Text. Die herausragende Funktion, die kein anderer Anatomieatlas bietet, ist das schichtweise „Schälen“ und „Aufbauen“ des Körpers sowie das freie Drehen der Darstellung mit der Maus um 360°. Details des Körpers können angeklickt werden, worauf deren populärsprachliche, englische Bezeichnung gezeigt wird. Die Nutzungsbedingungen von Zygote sprechen zwar die weltweite, uneingeschränkt freie Verwendung des Bodybrowsers zu, sagen aber nichts über die Verwendung des Informationsangebots im Unterricht aus. Eine 2-malige schriftliche Nachfrage von mir blieb unbeantwortet.
Halbprofil, teils gestrippter Body

Halbprofil aus der freien Drehung in ZygoteBody aufgenommen, links sieht man den Regler für Schichten und zugleich Systeme.

 

  • Eine recht alte Zusammenstellung, die offensichtlich nicht weiter entwickelt wurde, sind die Digital Anatomist Interactiv Atlasses (DAIA). Der Charme dieser Website liegt vor allem in ihrer 80er-Jahre Anmutung, aber davon abgesehen findet man hier durchaus brauchbares Bildmaterial, jedenfalls wenn man erstmal die Navigation verstanden hat. Die Nutzungsrechte erlauben die Nutzung explizit nur für den nicht-kommerziellen Gebrauch.

 

Kostenpflichtige Angebote, statisches Material

  • Der Grafiker F. Geisler zeigt auf seiner Website Anatomie Online seine Grafiken und Animationen zur Physiologie des Menschen. Vor der Nutzung jedweder Inhalte müssen entsprechende Lizenzen bei Geisler eingekauftt werden.
  • Ein weiteres kommerzielles Angebot, z.B. für die Medizinlehre, ist VisibleBody. Das Hauptprodukt ist der Human Anatomy Atlas, aktuell in Version 2, den man immerhin für 4 Betriebssysteme (Windows, Mac, Android und iOS) erhalt und der für nur $39,99 respektive CHF 34,00 erhältlich ist. Dieses und weitere Produkte, davon einige leider nur für iOS, findet man im Store des Anbieters.

 

Update 15.1.2014: Der HistoWebAtlas der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist nicht mehr online, daher habe ich den entsprechenden Absatz im Artikel durchgestrichen. Ebenfalls heute ergänzt habe ich den Hinweis zur Nutzung der vorgestellten Quellen („Wichtiger Hinweis“).

 

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Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

  1. Hey, hier fehlt noch unsere Anatomie-Lernplattform kenHub. Würde mich freuen, wenn diese in dem Artikel auch erwähnt wird. Gerne stehe ich mit Fragen zur Verfügung.

    Beste Grüße,

    Niels

  2. KenHub taugt nichts.
    Ich habe mir ein Beispielvideo angesehen und schon bei den ersten beiden Worten, sind simple Fehler.
    Die verwechseln inferior/superior mit interior/exterior.
    Ciao
    Dirk

  3. Hallo Dirk,

    würde mich freuen, wenn du mir die Stellen bzw. die Videos nennen könntest. Wir überprüfen alle unsere Inhalte sorgfältig. Sie durchlaufen mehrere Validierungsschleifen. Natürlich schließt das nicht grundsätzlich Fehler aus. Wir sind ja auch nur Menschen.

    Daraus zu schließen, dass Kenhub nichts taugt, finde ich dagegen etwas unfair. Uns erreichen täglich positive E-Mails, die uns mehr als dankbar sind für das, was wir geschaffen haben. Es gibt derzeit keinerlei Alternative, mit der man so schnell und effektiv die menschliche Anatomie lernen kann.

    Beste Grüße,

    Niels

  4. Das sieht noch sehr rudimentär aus. Ist es noch in der Entwicklung?

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