Blogparade: Wieviel ist dir deine Bildung wert?

Der Bund will 2011 den Bildungsetat aufstocken, und zwar um 7,2%, wogegen der Verteidigungshaushalt um nur 1,4% erhöht werden soll (berichtet die Tagesschau). Die deutliche Anhebung der Bildungsausgaben klingt zunächst einmal gut. Aber nur, solange man sich nicht die absoluten Zahlen ansieht. Und so lange man keine weiteren Vergleiche heranzieht. Genau das tun wir jetzt aber mal.

In absoluten Zahlen sehen die beiden Werte für Bildung und Verteidigung nämlich etwas anders aus: 11.646 Mio. Euro für das erste Ressort, 31.549 Mio. Euro für das zweitgenannte. Damit ist die Verteidigung das drittbest ausgestattete Ressort des geplanten Haushalts. Gut, ich gebe zu, dass es nicht besonders originell ist, Bildungs- und Verteidungshaushalt miteinander zu vergleichen. Schauen wir also weiter. Wieviel ist denn den Bürgerinnen und Bürgern selber 2009 ihre Bildung wert gewesen?

Laut Kapitel 24 des Statistischen Jahrbuchs 2010 gaben die BundesbürgerInnen im Jahr 2009 12,09 Mrd. Euro für ihre Bildung aus (s. Tabelle S. 25). Dagegen waren ihnen alkoholische Getränke und Tabakwaren 43,55 Mrd. Euro wert. Sieht man sich die weiteren Ausgaben an, so macht der Bildungsetat der Privathaushalte den deutlich kleinsten Anteil aus.

Das Obdachlosenmagazin Fiftyfifty macht in seiner aktuellen Ausgabe auf die neuen Regelsätze für Hartz IV aufmerksam. Dort sind für die Bildung 1,39 Euro im Monat vorgesehen. Davon kann man sich nicht mal eine seriöse Zeitung kaufen.

Aufruf zur Blogparade

Ist den Deutschen ihre Bildung tatsächlich so unwichtig? Wieviel gibst du für deine Bildung(*) im Jahr aus? Wieviel ist dir deine Bildung wert?

Beteilige dich an dieser Blogparade mit einem Beitrag in deinem eigenen Blog und verlinke hier in den Kommentaren auf deinen Beitrag. Oder schreibe deine Meinung zum Thema einfach direkt als Kommentar. Ein Twittertweed mit Link hierher ist ebenfalls möglich. Für das Kommentieren ist übrigens keine Registrierung nötig.

Nachtrag am 6.11.:

Auf Nachfrage per Twitter: Ja, habe die Frist vergessen. Bitte beteiligt euch bis zum 30.11. an der Blogparade. Danke!

(*) Definieren wir einmal großzügig: Zur Bildung gehört auch der Kauf von Fachzeitschriften, Zeitungen und anderen Medien. Leider kann man wohl die informelle Bildung nicht in Zahlen erfassen, da sie ja kostenlos im sozialen Kontext stattfindet.

[Foto: stuartpilbrow/flickr]

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Kommentare (5) Schreibe einen Kommentar

  1. Wie viel ist mir meine Bildung wert? In letzter Zeit so viel wie schon lange nicht mehr: Seit ich meinen festen Job aufgegeben habe, sind meine privaten Bildungsausgaben enorm angestiegen. Da ist der Fremdsprachenkurs an der VHS, da ist die Fachliteratur, und aktuell ist da ein Praktikum in einer Züricher Zeitschriftenredaktion. Das kostet.

    Seit ich den Dauerparkplatz meiner Routine gewordenen Festanstellung gekündigt habe, ist gerade in Sachen Bildung viel in Bewegung geraten. Größere Hirnbereiche melden Nachholbedarf an, ein Ende ist hoffentlich nicht abzusehen. Ich frage mich nur: Ist kontinuierliche persönliche (Weiter-)Bildung, das so oft bemühte „lebenslange Lernen“, mit einem durchschnittlichen Vollzeitjob überhaupt vereinbar? Theoretisch sicher. Da sind die Abende, da ist das Wochenende, da ist also Zeit auch zum Lernen. Praktisch allerdings übersteigt das Bedürfnis nach Erholung wohl meist deutlich den Appetit auf Bildung. Und dann ist da ja auch die Frage: Wofür der Aufwand? Wer sich neu orientieren will, Veränderung sucht, der hat auch ein Ziel, der weiß, warum er sich das Abendstudium an der Fernuni „antut“, Japanisch paukt, Fachliteratur studiert. Aber wem ermüdende Routine oder Arbeitsüberlastung den Horizont verbauen, wer versucht, irgendwie noch Schritt zu halten mit den täglichen Anforderungen, der lässt sich abends vielleicht doch lieber mit einem Glas Wein und der Zigarette in den Sessel fallen. Und gibt 3,6-mal mehr für Genussmittel aus als für Bildung.

    Rechnet man dieses jährliche private Bildungsbudget von 12,09 Mrd. Euro auf die 40,188 Mio. Haushalte in Deutschland um, kommt man auf etwa 300 Euro pro Jahr und Haushalt, um die 25 Euro im Monat. Mehr als das Abo einer durchschnittlichen regionalen Tageszeitung ist das nicht. Heißt das, dass es ausreicht, wenn sich Hartz-IV-Empfänger wenig mehr als den Jahresbeitrag für die örtliche Stadtbücherei leisten können von ihrem 16,68-Euro-Bildungsbudget? Es ist schon erstaunlich, dass gerade hier der Stellenwert von Bildung so extrem niedrig angesetzt wird.

    Solange es denjenigen, die das Geld dafür hätten, an Zeit und Energie mangelt, um sich den Raum für private Bildungsprojekte freizuschaufeln, und auf der anderen Seite die mit (unfreiwillig) viel Zeit es sich nicht leisten können, wird sich da wenig ändern an der Statistik. Ein Ausweg könnte das bedingungslose Grundeinkommen sein. Die finanzielle Freiheit, aus dem Vollzeit- einen halben oder Dreivierteljob zu machen, zum Beispiel, und in der gewonnenen freien Zeit Ideen zu entwickeln, für die sich der persönliche Bildungseinsatz lohnt.

  2. 1,39 Euro im Monat finde ich angemessen! So ein Scheiß wie den Spiegel oder gar die Zeit bekommen ja nicht mal die Akademiker in einer Woche gelesen: Liegt nur nutzlos rum. Bücher braucht man eh nur zur Deko im Regal, da reichen Blindcover und Youtube ist doch mit einer Flat genug Bildung. Dann reicht das Geld noch für zwei, dreimal die BILD, mit den vielen Fotos kann man die auch ruhig 2x im Monat lesen.

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  4. @Clemens
    Zuviel Bildung schadet auch nur dem gut funktionierenden System. Wo kämen wir denn dahin, wenn die Leute auf einmal mit dem Denken anfangen täten?

  5. @Verena
    Es gibt dann noch die 3. Kategorie derer, die sowohl Zeit als auch Geld haben. Was machen die in Sachen Bildung, wenn sie mal die (Hoch-)Schule hinter sich gelassen haben?

    Andererseits ist Bildung auch wieder nicht nur in Euro bezifferbar. Ich gebe sicherlich derzeit nicht mehr als 300 bis 400 Euro im Jahr aus (vor allem für Fachliteratur), aber profitiere von vielen kostenlos im Netz zur Verfügung stehenden Quellen (es lebe Creative Commons und ähnliche Konzepte des Open Content). Hinzu kommt der Bereich des informellen Lernens, zu dem für mich mittlerweile – ich muß es gestehen – auch twitter gehört. Denn hier erhalte ich auch wieder interessante Hinweise z.B. auf Studien.

    Es müßte eine Möglichkeit geben, den Wert solcher informellen und oft online stattfindenden Bildungsaktivitäten darzustellen, in einer Art Äquivalenzrechnung im Vergleich zu den Kosten, die traditionelle Formen gekostet hätten, um den gleichen Wissensstand zu erreichen.

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