Differenzierung der Hochschulen oder Nivellierung?

Schnee-Eule
Preisfrage der Woche: Was ist der Unterschied zwischen Differenzierung und Vereinheitlichung?
Analog zur Pressemitteilung der UAS7 – Seven Universities of Applied Sciences – lautet die Antwort: Es gibt keinen Unterschied.

Diese Antwort scheint zugleich der Tenor des neuen Zusammenschlusses dieser Fachhochschulen – oh, Entschuldigung, dieser Hochschulen zu sein. Denn Unterschiede will man endlich beseitigen. Während der Wissenschaftsrat eine kompetenzorientierte Weiterentwicklung der Fachhochschulen wünscht, zugleich aber möchte, dass „der Stellenwert und die Qualität der Lehre, die die Fachhochschulen auszeichnen, unbedingt erhalten bleiben [soll]“, sehen die UAS7 darin die Chance, „die Unterschiede zu einem Teil der Universitäten“ zu relativieren – dies natürlich im Dienste der vom WR geforderten stärkeren Differenzierung der Hochschulen. Ergo: Differenzierung = Nivellierung.

Nebenbei werfen obige Zitate auch die Frage auf, welcher Art der qualitative Unterschied in der Lehre zwischen Fach- und anderen Hochschulen ist. Böse Uni-Zungen behaupten ja gerne, die Lehre an den Hochschulen sei zwar miserabel, weil viele ProfessorInnen die Forschung bevorzugten, aber das niedrige Ausbildungsniveau einer FH hätte man doch noch nicht erreicht.

„College“ oder Studium Generale?

In einer Pressemitteilung gibt der WR preis, wie er sich die Differenzierung der Hochschulen vorstellt: Colleges sollen „breit angelegte Studienprogramme“ anbieten, „Professional Schools“ dagegen das Studium zu einem spezifischen Berufsfeld. Klingt das nicht nach Studium Generale einerseits und Fachhochschule andererseits? Wo ist da die Innovation, wo die geforderte Neugestaltung? Und wo der Durchblick? Auch der WR sieht das Risiko einer wachsenden Unübersichtlichkeit, hält dies aber offenbar für einen angemessenen Preis.

Aber Moment mal! Hatten wir nicht schonmal ein sehr differenziertes Hochschulkonzept? Ja, der Dahrendorf-Plan unterteilte 1967 erstmals in Baden-Württemberg die Hochschullandschaft in eine Fülle verschiedener Formen. Was hats gebracht? Die Einsicht, das eine etwas stärkere Vereinheitlichung doch hilfreicher wäre. Das „Abkommen der Länder in der Bundesrepublik Deutschland zur Vereinheitlichung auf dem Gebiet des Fachhochschulwesens“ wurde 1968 unterzeichnet, und mit ihm waren die Fachhochschulen geboren.

Von der Wissenschaft zur Anwendbarkeit

Seit damals gibt es eine sprachliche Eigenart, die bis heute die Auseinandersetzungen zwischen diesen und jenen Hochschulen wunderbar skizziert: Die einen sind die „Hochschulen für angewandte Wissenschaft“. Die anderen sind …? Hochschulen nicht anwendbarer Wissenschaften? Diese lexikalisch ausgedrückte Kluft schien die Universitäten nie zu kümmern, doch in den letzten Jahren haben sich einige doch versucht, der Anwendbarkeit zu nähern. Das wird vor allem in den sog. Life Sciences sichtbar, die sich hervorragend dazu eignen, aus der Forschung Produkte und Ausgründungen in den Markt zu bringen – und so en passent die Anwendbarkeit universitärer Forschung zu beweisen.

Sind es also gar nicht die Fachhochschulen, die die Annäherung an die Universitäten suchen, sondern viel mehr letztere in umgekehrter Richtung? Vielleicht sollte man ja doch den Wunsch nach Differenzierung seitens der UAS7 wörtlich nehmen – immerhin sind manche Universitäten oder zumindest Fachbereiche den Fachhochschulen auf die Pelle gerückt. Und da im Bologna-Prozess Bachelor- und Masterabschlüsse von Hochschulen mit und ohne „Fach-“ gleichgestellt sind, die AbsolventInnen also nicht mehr das verschämte „(FH)“ hinter ihren Grad schreiben müssen, ist schon ein gewisser Grad an Nivellierung erreicht.

Bleibt also abzuwarten, wie sich die Differenzierung der Nivellierung gestalten wird.

Foto: By pe_ha45 CC-BY-2.0 (www.creativecommons.org/ licenses/by/2.0) via Wikimedia Commons

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