Funktionieren Online-Konferenzen?

wissenswert blog carnivalGerade in den letzten Tagen habe ich mich verstärkt mit den verschiedenen Möglichkeiten und den gleichen immer wiederkehrenden Problemen von Online-Konferenzen beschäftigt. Und da fragen passenderweise Andrea Back und Jochen Robes im aktuellen Blog Carnival des Wissenswert-Blogs danach, ob solche Sachen überhaupt funktionieren. Ist das ketzerisch? Wo doch anscheinend die neuen technologischen Möglichkeiten von vielen ungebremst enthusiastisch umarmt werden? Ich denke nein, denn gerade die praktische Erfahrung zeigt, wo die Schwächen liegen und was andererseits zukünftig noch zu erwarten ist.

Obwohl ich gerne und immer wieder daran erinnere, dass sich Theorie und Praxis zu „E-Learning“ in seinen vielfältigen Formen nicht zu sehr auf die einsetzbaren Technologien konzentrieren dürfen, sind es doch gerade die technischen Probleme, die Online-Konferenzen einschränken. Ich habe zum Beispiel in diesem Artikel über Probleme mit der Audioqualität bei Skype-Conferencing berichtet. Die dort geschilderten Schwächen konnte ich aber im aktuellen Wintersemester wiederum nicht mehr feststellen. Ich nutze Skype öfters für Gruppenkonversationen mit den Studierenden im Rahmen der Onlineteile meines Seminars an der FH Düsseldorf, und von gelegentlichen individuellen Bandbreitenschwierigkeiten abgesehen ist die Qualität gut bis sehr gut. Vielleicht liegt es an der kleinen Gruppenstärke von 6 Leuten. Didaktisch sind diese Skypekonferenzen in die Entwicklungsphasen des Praxisprojekts der Studierenden eingebunden. Per Skype diskutieren wir Vorschläge und Entwürfe, an denen die Studis gerade arbeiten, sowie weitere Prozessschritte. Auch für innovative Konzepte lassen sich VoIP-Anwendungen nutzen: Ich habe mit den Studierenden zur Vertiefung eines theoretischen Themas eine Debatte in klassischer Form per Skype durchgeführt. Den Artikel dazu gibt es hier.

In einer solch kleinen Gruppe ist es einfach, eine gesittete Kommunikation zu etablieren, das Aussprechenlassen ist da selbstverständlich, zumal sich alle Beteiligten persönlich aus den Präsenzterminen kennen. Sich persönlich kennengelernt zu haben halte ich grundsätzlich für eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen von Online-Seminaren. Es sollte daher immer auch zumindest einen Präsenztermin geben, besser sind mehr. Aber das ist, denke ich, inzwischen eine allgemein akzeptierte Binsenweißheit.

Online-Konferenzen mit Whiteboards

Diskussionen lassen sich mit Hilfe von Whiteboards visuell ergänzen. Dazu nutze ich öfters mit den Studierenden den Onlinedienst WiZiQ. Bei diesem Dienstleister setzt man bewußt auf den Terminus „Virtual Classroom“, denn vor allem Lehrende und Lernende sollen sich hier einfinden. Vergleichbare Dienstleister sind DimDim und Adobe Connect. Die technischen Features sind bei allen sehr ähnlich:

  • Man kann mehrere Teilnehmer/-innen einladen (wobei die Menge vom gebuchten Paket abhängt, einzig WiZiQ setzt da keine Begrenzung)
  • Es stehen mehrere Whiteboards und Zeichenmittel zur Verfügung
  • In einem Chat kann zusätzlich kommuniziert werden
  • Unterschiedliche Medien können hochgeladen werden (auch hier unterstützt WiZiQ die meisten Formate)
  • Die Online-Sessions werden aufgezeichnet und stehen später zum Download bereit

Wie erfolgreich eine solche Online-Konferenz ist, hängt von einer guten didaktischen Einbettung in das Gesamtkonzept des Seminars ab, wie auch von der richtigen Vorbereitung und Moderation. Wer solche Tools erstmals nutzt, sollte sich etwas Zeit vorweg nehmen und sich umschauen im virtuellen Klassenzimmer. Auch der vorherige Upload der Dateien, die im Whiteboard gezeigt werden sollen, ist empfehlenswert. Und nicht zu vergessen ist der Technikcheck. Ich habe noch keine Online-Konferenz erlebt, die nicht mit dem typischen „Können Sie mich hören“ anfing, dies begleitet  von der hektischen Nutzung des Chats, indem ebenfalls nach dem Ton gefragt wird. Da ist es am Moderator oder an der Moderatorin denjenigen mit Problemen per Chat zu helfen – man muß sich also selber auskennen. Und nach meiner Erfahrung gilt als oberste Regel bei der Teilnahme: Lautsprecher aus, Headset auf. Dann klappt’s auch mit dem virtuellen Nachbarn, andernfalls entstehen unschöne Echo-Schleifen.

Didaktische Konzepte für Online-Konferenzen

Online-Konferenzen eignen sich gut für Ergebnispräsentationen von Rechercheaufgaben oder zur Präsentation kurzer Impulsreferate. Auch Gastredner einzuladen hat sich in meiner Erfahrung bewährt.  Auf diese Weise kann man interessante Persönlichkeiten einladen, ohne dass Zeit und Kosten ein Problem darstellen, da die Anreise entfällt. Ich lade immer wieder gerne Gäste in das „Virtuelle Klassenzimmer“ ein, die aus der Praxis berichten können und so den Studierenden neue Perspektiven verschaffen. Erst kürzlich war Marcel Kirchner bei uns zu Gast und berichtete über EduCamps. Ja, und auch an diesem Abend, den wir zusätzlich über Twitter promoted hatten, gab es technische Probleme, denn eine Teilnehmerin hatte eine sehr langsame Verbindung und verlor immer wieder den Zugang zu unserem virtuellen Raum. Fazit: Nicht nur das Headset ist obligatorisch, sondern auch eine Netzverbindung mit mindestens ISDN-Qualität.

Sehe ich in die Zukunft, so sehe ich ganz klar folgende  Entwicklungen:

  • Mehr Ideen und passende didaktische Konzepte für neue Anwendungsszenarien – man darf nicht einfach die „analoge“ Veranstaltung aus dem Hörsaal in den virtuellen Raum exportieren
  • Erweiterte Medienkompetenz bei den Moderatorinnen und Moderatoren
  • Eine Verbesserung der Audioübertragung per VoIP auch bei mehreren Sprechenden
  • Eine enge Integration weiterer Dienste
  • Mehr Preismodelle, die auch für Lehrende interessant sind

Jenseits des oben erwähnten ungebremsten Enthusiasmus sehe ich Online-Seminare und -Konferenzen, sehr positiv. Es kommt eben wie immer auf das Gesamtbild, also das Gesamtkonzept an. Und auf ein bißchen Glück mit der Datenleitung.

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