Online-Kommunikation kreativ nutzen: Debattieren mit Skype
Debatten im klassischen Sinn sind eine didaktische Methode, Gelerntes zu vertiefen – oder ganz Neues kennenzulernen. Warum sollte man diese Methode nicht auch virtuell durchführen können? Eine Debatte mit der Konferenzfunktion von Skype war das erfolgreiche Resultat dieses Gedankens am 5. November. In der Präsenzveranstaltung zuvor habe ich im E-Learning-Seminar an der FH Düsseldorf die verschiedenen Konzepte von Lerntypen vorgestellt und sie mit den Konzepten von Lernstilen und -strategien kontrastiert. Wer das Thema ein wenig kennt, weiß, dass hier zum Teil heftige Glaubenskriege unter Pädagogen und Psychologen geführt werden. Lerntypen werden von den einen als das elementarste Mosaiksteinchen zur Entwicklung guter didaktischer Konzepte betrachtet, von den anderen dagegen als Nürnberger Trichter in anderem Gewand verteufelt. Ich habe die Studierenden genau diese beiden Positionen in der Debatte vertreten lassen, ungeachtet ihrer eigenen tatsächlichen Meinung. Neben den beiden Gruppen mit ihrer Debattenposition hat zudem ein Student die Moderation übernommen. Meine Rolle war die Supervision des Moderators, den ich bei Bedarf per Skypemessage unterstützte.
Die Debatte kam nicht so schnell in Schwung, vor allem wegen der zunächst von beiden Seiten nüchtern und emotionslos vorgetragenen Standpunkte. Doch nach Einwürfen des Moderators und erstem vorsichtigen Nachfragen zu den Argumenten der “Gegner” ging es richtig los mit der Diskussion. Schnell wurde deutlich, wer sich besonders gut vorbereitet hatte und entsprechend aus einem größeren Fundus an Argumenten und zum Teil sogar Literaturzitaten schöpfen konnte. Crossmediale Kompetenz lohnte sich also auch hier wieder.
Es gab auch Gelegenheit zur kreativen technischen Problemlösung. Als eine Teilnehmerin keine Verbindung mehr mit Skype aufbauen konnte, wurde kurzerhand eine Festnetz-Telefonverbindung zu einer Kommilitonin aufgebaut, der Lautsprecher des Telefons eingeschaltet und schon konnte die “Ausgestoßene” wieder mitdiskutieren.
Im resumierenden Gespräch in der Präsenzveranstaltung am nächsten Tag wurden einige Aspekte deutlich:
- Eine Debatte ohne Blickkontakt zu führen ist schwieriger, erfordert mehr auditive Konzentration.
- Diese Form der virtuellen Debatte und Diskussion ist aber durchaus möglich und wird einfacher, je länger bzw. öfter man sie so durchführt.
- Moderatoren/Moderatorinnen müssen sich besonders gut vorbereiten und mit beiden Positionen vorab beschäftigen, um die Diskussion beleben zu können.
- Mit technischen Problemen muß man immer rechnen, aber es gibt i.d.R. auch Lösungen.
Insgesamt bewerteten die Studentinnen und Studenten die Methode “Debatte” als eine sehr gute Möglichkeit, ein Thema von verschiedenen Seiten her kennen zu lernen und besser zu verstehen. Gerade die Herausforderung, eine Position zu verteidigen, die man in Wahrheit selber nicht vertritt, wurde als lernfördernd wahrgenommen.
Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.
Einen Artikel zur Vorbereitung einer Debatte hat eine der Studentinnen in den öffentlichen Blog des Seminars geschrieben.

Manchmal lohnt es sich ja doch, zu gegebener Zeit die Möglichkeiten des www zu erkunden.
Es gilt also: Lieber spät als nie.
Gruß