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Kann sich Wissen vermehren?

brand eins Titelblatt Heft 11/09Auch wenn es im aktuellen Heft (November 2009) des Wirtschaftsmagazins brand eins nicht um Wissen, sondern um Denken geht, ist der Text auf dem Titelblatt doch sehr ansprechend: “Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt” (mehr zur Urheberschaft weiter unten).

Klingt gut, denkt man zunächst. Aber ist Wissen wirklich ein Rohstoff? Ist Wissen nicht vielmehr das Ergebnis von Informationsaufnahme, Verknüpfung mit Erfahrungen und Vorwissen und schließlich der Entwicklung eigener Gedanken? Ist das nicht sogar letztlich, was Wolf Lotter im Leitartikel dieses Heftes meint, wenn er zwischen Denken und Nachdenken unterscheidet?

Andererseits gibt es nach Kant auch ein Wissen a priori und ein Wissen a posteriori. Auch Noam Chomsky nahm bekanntlich ein vorgeburtliches Wissen an, dass den Spracherwerb erst ermögliche.
Wissen ist also doch ein Rohstoff? Eine wirtschaftlich ausbeutbare Größe, die im Controlling der Buchhalter als Ressource klar beziffert werden kann? Doch viele Philosophen, u.a. Platon, Aristoteles und Descartes, betrachteten Wissen als eine Erkenntnis. Das aber wiederum impliziert einen Weg, der zunächst gedanklich gegangen werden muß um zur Erkenntnis zu gelangen. Ein Prozeß dies, der äußerst individuell ist, in der Route ebenso wie im Ergebnis. Nicht meßbar, und schon gar nicht vorab kalkulierbar.

Aber ist es denn vermehrbar, das Wissen? Wäre doch schön, wenn es wie ein Perpetuum Mobile funktionierte. Nimmt man Ideen in den Begriff des Wissens hinein, könnte einem George Bernhard Shaw weiterhelfen:

have an idea rather than an apple

Schöner, finde ich, kann man es nicht ausdrücken.

Und jetzt noch ein kleiner Exkurs zum Thema Urheberschaft:

Alles nur geklaut (*)

Auch wenn man es bei brand eins versäumt, die Quelle anzugeben, ist sie leicht zu finden. Oder besser: sind sie leicht zu finden, die Quellen. Da ist zum einen Prof. Jürgen Mlynek, der bei seiner Festrede zur Verleihung des Preises „Wissensmanager des Jahres” eben diese Worte vortrug. Dann gibt es aber auch ein Buch aus dem Jahr 2002, von Jürgen M. Jancik, in dem man ebenfalls ebendiese Annahme vom Wissen als Rohstoff findet. Und bei der brand eins findet man keinen einzigen Hinweis auf eine dieser Quellen … und prompt twittern alle begeistert und kritiklos über die brand eins, die sich natürlich unkommentiert weiter mit fremden Federn schmückt. Vielleicht ist dies aber auch der erste Versuch des Magazins, sich zukünftig für Open Content einzusetzen. Bei einem Schwerpunktheft dazu bin ich gerne als Autor dabei.

(*) sangen in den 90ern Die Prinzen

Verschiedenes ,

  1. 23. November 2009, 12:35 | #1

    zu “Alles nur geklaut”: Wann werden es die Menschen begreifen, dass mit dem Internet es kein Ideenmonopol mehr gibt und auch die Frage der Urheber und Quellen an Bedeutung verliert! Alle, die bisher durhc den Verkauf von Wissen Geld, Ruhm und Ansehen verdienten, werden es schwerer haben ;-) Aus meiner Sicht ist das gut so – auch ich bin für open content.

  2. Luka
    23. November 2009, 16:41 | #2

    @Gabriele: Oh ja, ich bin definitiv für Open Content! Aber gehört es nicht zur Ethik des OC, Quellen anzugeben? Und versuche mal, etwas aus der brand eins weiterzuverwenden – ich glaube nicht, dass die selber so großzügig sind ;-)

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