Do not distract

Ein Beitrag zum 5. WissensWert Blog Carnival

Eigentlich twittere ich nicht. Man kann eher sagen, dass ich beobachte, was mit und auf Twitter geschieht, was meine Zeitgenossen und -genossinnen damit anstellen, was das Twitterverse ist und wohin es (mit uns) driftet. Allein, um dies alles zu tun, benötige ich natürlich auch einen eigenen Twitter-Account. Hat man den einmal angemeldet, finden sich schnell Verfolger (Followers), und man schaut sich eben doch um und will auch verfolgen. Das Schreiben eigener Tweets wird schnell selbstverständlich.

Der Grund für meine Zurückhaltung liegt in den bislang insgesamt mit dem Internet gesammelten Erfahrungen. Am Anfang des Internet (wir erinnern uns: das Usenet!) wurde es schnell brenzlig mit der Kommunikation. Sie konnte einen überholen, gar überrennen, die Sicht nach vorne nehmen. Als sich dann das World Wide Web etablierte erfanden die traditionellen Medien schnell das Gruselbild des “Information overload”.  Das Zauberwort dagegen hieß schon bald: Medienkompetenz.

In der nächsten Stufe, im Social Web (oft Web 2.0 genannt), wurde mir die Problematik des “distractive web” bewußt. Wo soziale Kontakte, Information sowie zeit- und ortsunabhängiger Datenaustausch eine enge Bindung eingehen, ist die Gefahr der Ablenkung vom wesentlichen des Tages groß. Twitter ist diese Bindung in reiner Form, da es auch intensiv mit mobilen Geräten genutzt wird. Ist es tatsächlich Zufall, dass zeitgleich mit dem Wachsen des Network-Netzes das Thema Procastination immer präsenter wird?

Twitter ist daher für mich eine Herausforderung auf mehreren Ebenen:

  • Herausfinden, wie ich die Tweets finde, die für mein kontextuelles Universum relevant sind
  • Das Ignorieren irrelevanter Tweets á la “enroute home” lernen
  • Wege sinnvoller Verwendung im Lehr-Lern-Kontext finden
  • Mit 140 Zeichen etwas sinnmachend ausdrücken
  • Ablenkung vermeiden lernen

Mit anderen Worten: Twitter ist äußerst nützlich, um eine hochentwickelte Medienkompetenz zu erlangen.

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Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn man Twitter nicht nur mit der ‘professionelle’ Brille (was bringt es?), sondern aus der ‘homo ludens’-Sicht: Macht es Spaß und trägt es was zur gesamtgesellschaftlichen Sinn- und Unsinnstiftung bei. Man muss ja auch Twitter nicht verstehen, um es ‘spielen’ zu können und auch nicht ‘beherrschen’ (Medienkompetenz), um trotzdem seinen Small-Talk mit möglichst unbekannte Menschen und Avataren führen zu können. Und vielleicht muss Twitter noch nicht einmal nützlich sein …

  2. @Itari: Das ist eine interessante Perspektive. Sicher bin ich manchmal zu stark auf den Nutzen im Lehr- und Lernumfeld fixiert-
    Natürlich dürfen Sachen auch sinnfrei Spaß machen :-)

  3. Pingback: Ausgabe - WissensWert

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