Kein Kulturschock mit der Gadget Generation

[Beitrag zum WissensWert Blog Carnival #3]

kulturschockGenerationen werden immer wieder gerne ausgerufen und mehr oder weniger lustig benannt, und zwar grundsätzlich von jenen, die nicht zu den vermeintlichen Jahrgängen gehören.  Da hatten wir in den 1980er-Jahren die No-Future-Generation, der um die Jahrhundertwende die „Generation Golf“ folgen sollte. Damit das auch jeder versteht, gab’s auch gleich ein Buch dazu. Schaut man sich aktuell um, findet man sogar die „Generation Benedikt„, sowie eine „Generation Chips„. Nun ja, nun kommt eben noch die „Net Generation“ hinzu.

Wie immer sorgen sich jene, die sie zwar ausrufen, aber anscheinend nicht zu ihr gehören: Was ist mit diesen jungen Leuten los? Werden sie uns überrollen? Oder alles Gewohnte einfach aushebeln, Chaos und Anarchie hinterlassen?

Die weniger Ängstlichen fragen aber: Kann man die Potentiale dieser Generation bändigen und nützlich in die bestehende Ordnung (von Unternehmen)  integrieren? Oder müssen zusätzliche Strukturen gefunden werden, um die „High Potentials“ optimal nutzen zu können?

Kaum jemand fragt aber, ob es diese „Generation“ überhaupt gibt und wenn ja, was sie tatsächlich ausmacht? Jede Generation hat auf Grund ihrer Kindheit und Jugend  gemeinsame Erinnerungen, eine gemeinsame Geschichte im Makro- wie auch Mikrokosmos des Lebens. Dazu gehören ganz sicher in unserer Industrie- und Entertainmentgesellschaft Fernseh- oder Internetserien, Musikstile und die dazugehörigen Kleidungsvarianten, Spielzeuge natürlich auch, und in gewissem Ausmaß durchaus das politische wie wirtschaftliche Weltgeschehen. Aber blicke ich auf meine Kindheit und Jugend zurück und vergleiche mich mit Angehörigen meiner Generation (übrigens angeblich no-future), dann stellen die kulturellen Gemeinsamkeiten den wesentlichen gemeinsamen Nenner dar. Mehr als die Ölkrise der 1970er-Jahre oder die Golfkriege der 1980er- und 1990er-Jahre.

Heute gehören zu den kulturellen Gemeinsamkeiten die jeweils neuesten Gadgets.  Das können Online-Tools zur Kommunikation im weiteren Sinne ebenso sein wie Hardware, sei sie nun mobil wie ein iPod oder materiell gewichtiger wie ein High-End-Gamer-PC, der heftigst gemoddet wurde.

Meine Erfahrungen der letzten Jahre mit Studentinnen und Studenten sowohl an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf als auch an der Fachhochschule Düsseldorf zeigen ein ganz anderes Bild dieser angeblichen Digital Natives, als manche es zeichnen möchten. Hier treffe ich bislang nur selten auf Experten der neueren Web-Technologien. Selbst im gerade beendeten Wintersemester 2008/2009 hatten die Studierenden meines E-Learning-Seminars noch keine bzw. kaum Erfahrungen mit produktiven Web-Techniken, wie z.B. Weblogs, Wikis etc. Skype-Konferenzen sind hingegen geläufig und werden gerade in der Phase der Projektarbeit von den Studierenden selbstverständlich eingesetzt, ebenso wie Instant Messenger Werkzeuge. Twittern war zwar ein Begriff, aktiv nutzte es aber keiner. Ich könnte diese Aufzählung weiterführen, aber zusammenfassend kann ich feststellen, dass die „Net Generation“ wohl eher eine „Gadget Generation“ ist, aufgeschlossen für und neugierig auf neue Technologien, aber oft nicht tiefer in die Anwendung eindringend.

Der Vorteil für Unternehmen und durchaus für die Gesellschaft insgesamt könnte darin liegen, dass diese Menschen besonders gerne Neues ausprobieren, sogenannte „early adopters“ sind. Aber Kulturschock? Nicht in Sicht. Alle Beteiligten haben durchaus eine Vostellung von der jeweils anderen Welt.

Und letztlich werden auch die Mitglieder der postulierten „Net Generation“ irgendwann Silversurfer sein. Die machten schon im Jahr 2007 von den Internetnutzern in Deutschland 8.1 Mio. aus, Auszubildende dagegen 7.1 Mio (s. ARD/ZDF-Online-Studie). Ich bin gespannt, welche Generation ausgerufen wird, wenn die Net Generation zur Silver Generation herangewachsen ist.

[Foto: zettberlin/photocase.de]

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