So war’s: Podcast-Workshop
Friedrich-Schiller-Universität Jena, 23.-24.9.2008
Einmal mehr ist eine spannende Konferenz mit interessanten Menschen und anregenden Diskussionen zu Ende gegangen. Die Themen der Veranstaltung lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: technische Lösungen (Hard- und Software) zur Produktion und Präsentation von Podcasts einerseits, Einsatzbereiche von Podcasts im universitären Umfeld andererseits.
Der Trend beim Podcasting an den Hochschulen geht eindeutig weg von der reinen Rezeption, hin zum erweiterten Podcast und damit zur (inter-)aktiven Auseinandersetzung mit der angebotenen Information. Erreicht werden soll dieser Wechsel durch funktionale Erweiterungen des Podcast-Formats, aber auch durch zusätzliche Funktionen in den veröffentlichenden Webseiten und vor allem durch die Produktion der Sendungen durch die Studierenden selbst.
Episode 1: Just pod it – Podcasting in didaktischen Szenarien
Gleich drei Universitäten stellten ihre curricularen Podcast-Projekte vor: die Universitäten Rostock, Ilmenau und Bielefeld. In Rostock und Ilmenau entwickeln jeweils kleine Teams Studierender Podcasts über universitätsnahe Themen. Alles, was (zukünftige) Studierende so interessiert, könnte man die inhaltliche Leitlinie beschreiben. Der “Ilmcast” der TU Ilmenau integriert auch Videos in die Podcasts; ebenso verfährt man in Rostock.
Hohe Qualität, hohe Motivation
In Bielefeld ist man zusätzlich zum klassisch-seriellen Podcast (“Vorsicht: Podcast!“) noch einen anderen Weg gegangen. Im Rahmen des Seminars “Vom Lesebuch zum Hörbuch” konzipierten, schrieben und produzierten die Teilnehmer/-innen eigene Stücke, hinterlegt mit Musik, zum Teil ebenfalls selbst komponiert und gespielt. Ein seminarbegleitendes Weblog ermöglicht nicht nur die Veröffentlichung der Audiowerke, sondern auch deren Kommentierung durch Kommilitonen/Kommilitoninnen und andere Interessierte. Zusätzlich wurden die Hörwerke auf CD publiziert. Trotz des sehr hohen Arbeitsaufwands erhielt diese Veranstaltung eine exzellente Bewertung durch die Studierenden und kann sicher als Vorbild für andere Hochschulen betrachtet werden.
Marketing für lau
In Abstimmung mit den jeweiligen Öffentlichkeitsreferaten der Universität dürfen die Podcasts publiziert werden. Hier wurden aber auch Zweifel am Konzept der “Werbespots” geäußert. Studierende produzieren aufwändig und mit viel Engagement die Podcasts, aber außer ein paar Credits erhalten Sie dafür nichts (Zitat einer Studentin: “Ja, ich fühl mich schon ausgenutzt.”). Und auch die Projekte werden seitens der Universitätsverwaltung nicht finanziell unterstützt (von 1000 € für eine studentische Hilfskraft in Bielefeld einmal abgesehen). Zudem wurde hinterfragt, ob es didaktisch wertvoll ist, die Entwicklung kritikfreier Marketingmedien zu lehren. Denn Podcasts mit kritischen Inhalten werden erfahrungsgemäß von den Marketingabteilungen der Unis abgelehnt.
Episode 2: Technik-Couture
Leichte Aufzeichnung, wenig Nachbearbeitung, einfaches Publizieren, gute Auffindbarkeit, vielleicht auch Kommentierung und nachträgliche Metadatenbearbeitung – diese Wünsche fließen in die neuen universitätseigenen Softwareentwicklungen und Hardwarekonzepte ein. Das an der Universität Hamburg entwickelte Lecture2go verfolgt ebenso wie REPLAY von der ETH Zürich das Ziel, die Lehrenden bei der Aufnahme und Publikation ihrer Veranstaltungen zu unterstützen. Beide sind Open-Source-Software, womit eine spätere Weiterentwicklung ohne Lizenzprobleme gewährleistet ist. Zürich hat den Schwerpunkt auf eine möglichst durchgängig automatisierte Aufnahme und Produktion gelegt. Die Produktionsumgebung wird fest in den Hörsaal integriert, die Dozentin muss lediglich ihren Laptop an das VGA-Kabel anschließen.
Podcasting to go
In Hamburg hat man stattdessen eine mobile Aufnahmeeinheit zusammengestellt, in der die nötige Hard- und Software (Letztere das selbst entwickelte Lecture2go) zur Verfügung steht. Damit verfolgt man den gleichen Ansatz wie die Universität Düsseldorf, an der den Lehrenden ebenfalls eine mobile Aufnahmeumgebung angeboten wird. Die eingesetzte Software ist dort allerdings das kommerzielle Produkt Lecturnity. Beide Konzepte bieten zwar keine automatisierte Aufnahme an, ermöglichen aber die Postproduktion mit den On-Board-Mitteln.
Kommerzfreie Podcast-Portale
An diesem Punkt bleiben Hamburg und Düsseldorf allerdings stehen. Zürich hingegen baut zusammen mit der UC Berkeley zusätzlich ein Podcast-Portal auf, das OpenCast Project. Dadurch sollen gleich mehrere Nachteile, die andere Podcast-Portale haben, umgangen werden. iTunes U beispielsweise, das als Podcast-Umgebung speziell für Universitäten beworben wird, ist in ein kommerzielles Umfeld eingebettet, bietet keine Strukturierungsmöglichkeiten und ist zudem bisher nur für nordamerikanische, kanadische und britische Hochschulen zugänglich.
Im OpenCast Project werden Technologien eingesetzt, die von den Entwicklern von yovisto stammen. Dazu gehören nicht nur das Tagging eines Videos, sondern auch die Volltextsuche in den Folien, Folienvorschau und -sprungverweise sowie das Kommentieren der Vorlesungsaufzeichnungen. Für yovisto wiederum, eine Ausgründung aus der Universität Jena, sind noch einige weitere Features geplant, u.a. die semantische Spracherkennung, um die Audiospur ebenfalls durchsuchbar zu machen.
[Foto: TimToppik/photocase.de]
